Tag 9 – 12: Bulgarien

Nach einigen Wochen Verzögerung kommt nun der nächste Bericht. Während der Reise erlebe ich recht viel, ich lerne viele Menschen kennen. Ich habe aufgehört mir zu sagen „Heute abend schreibst du ein Bericht“ am Ende des Tages kommt es doch anders und ich falle Müde ins Bett ohne eine Zeile geschrieben zu haben. Ich haben nun beschlossen das Format zu Ändern und keine Tagesberichte mehr zu schreiben, ich werde meine Erfahrungen nach bereisten Länden zusammenfassen.

Am neunten Tag meiner Reise ging es von Nis (Serbien) geradewegs nach Sofia. Der Grenzübertritt von Serbien nach Bulgarien verlief problemlos und schnell. Während der Fahrt wurde ich von starkem Regen begleitet, er Blick in die Wettervorschau machte wenig Hoffnung auf Besserung und so beschloss ich mir ein Apartment mit Waschmaschine in Sofia zu nehmen.

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Ich dachte mir, während es regnet könnte ich mich gut erholen und die Gelegenheit dazu nutzen um Wäsche waschen. Doch Wettertechnisch kam es anders, an dem Tag an dem es Regnen sollte hat es gar nicht geregnet und als ich in Richtung Plovdiv losgefahren bin hat es dann ganz dolle geregnet.

In Sofia hatte ich gar nicht den Eindruck in einer Hauptstadt zu sein, alles war recht überschaubar und nah bei einander. Innerhalb eines halben Nachmittages habe ich es geschafft die Stadtmitte zu Fuß für sich zu entdecken.

Ich fand auch Zeit in einen Herrensalon vorbeizuschauen, dort wurde meine Haarpracht samt Bart wieder in Ordnung gebracht.

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Auf dem Weg in Richtung Plovdiv bin ich zunächst in die südliche Richtung gefahren, um das Rila Nationalpark zu besichtigen. Als ich am nördlichen Zipfel des Parks ankam wurde ich von den Wetterverhältnissen eingeholt, es war kalt, regnerisch und alles war von dicken Wolken bedeckt, ich machte kehrt Richtung Autobahn um einfach so schnell wie möglich nach Plovdiv zu kommen.

Auf dem Weg zur Autobahn wollte ich eine Abkürzung einlegen und wollte ein Stück durchs Gelände fahren, das kurze Stück war zunächst aus Schotter und nach danach Matsch und Lehm, sehr schlechte Idee … ich habe mich auf dem Lehm bei langsamer Geschwindigkeit mit meinen Koffern abgelegt, den rechten Koffer abgerissen, Motorrad und sich selbst total verdreckt. Zum Glück ist mir nichts passiert, in der nähe verlief ein Bach und ich konnte meine Schuhe und Klamotten sauber machen. Mit Mühe habe ich das Motorrad aus dem Dreck gezogen und auf Schotter zurückgebracht.

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Ab dem Moment war mir klar, die Koffer müssen Weg, schon zuvor habe ich an den Koffern gezweifelt. Die Koffer sind sehr praktisch, man kann schnell und sicher Sachen verstauen. Solange man asphaltierte und ebene Straße fährt, ist alles bestens, doch sobald es nicht mehr eben ist, der Straßenbelag schlecht ist und/oder man langsam fährt, sind die Koffer eine Qual, jedes Wendemanöver ist eine Gefahr fürs Umfallen.

 

In Plovdiv angekommen suchte ich ein Motorradshop um eine größere Gepäckrolle zu kaufen, leider sind die Gepäckrollen in Bulgarien nicht einfach zu bekommen. Ich fand neben einem Motorradshop eine DHL Logistikfiliale, klopfte dort an und fragte ob man meine Boxen nach Deutschlang verschicken kann. Ich lernte einen sehr netten DHL Mitarbeiter den Vasil kennen. Der Vasil meinte ich sollte am nächsten Tag kommen und er würde für mich auch Verpackungsmaterial organisieren.

Ich fand ein nettes Hotel in der Altstadt von Plovdiv und checkte dort ein. Ich sortierte meine Sachen, denn ich musste mich von einigen Sachen trennen. Ich kriegte es hin meine Zeltausrüstung samt meinen Klamotten alles in die Gepäckrolle unterzukriegen. Vom Benzinkocher, Campinggeschirr, Axt, Motorradabdeckung und weiteren Kleinigkeiten musste ich mich trennen. Am nächsten Tag unternahm ich noch paar Versuche eine größere Gepäckrolle zu finden, doch leider vergebens. Der Vasil hat mir eine kleine Palette organisiert, wir stellten die Koffer drauf und verzurrten diese. Für nur 45 Euro gingen meine Koffer nach Deutschland.

Nach dem Sortieren meiner Klamotten machte ich mich in Plovdiv in die Altstadt. Beim Abendessen wurde ich von einem Franzosen namens Vincent angesprochen, er gesellte sich zu mir. Vincent arbeitet in Plovdiv und kennt die Stadt in und auswendig. Nach dem Essen schlug er mir vor eine Runde durch die Altstadt zu laufen, dabei hat er mir so ziemlich alle interessanten Ecken der Altstadt gezeigt und einiges aus der Geschichte der Stadt erzählt. Was ich nicht wusste ist, dass Plovdiv eine der ältesten Städte Europas ist, erste Besiedlung fand schon vor über 3000 Jahren statt.

Morgens früh aufgestanden machte ich mich nochmals in die Altstadt, um bei Sonnenaufgang noch ein paar Bilder zu machen.

Von Plovdiv aus fuhr ich geradewegs bei Wind und Regen nach Istanbul.

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8 Kommentare zu „Tag 9 – 12: Bulgarien

  1. Servus Kevin,

    mit Spannung verfolge ich deine Route und bin teilweise überrascht welche interessante Wendung ihr Verlauf nimmt.
    Hauptsache es ist alles okay und du bist gesund und fit für all deine Abenteuer. Ja interessante Leute kann man gern der Heimat treffen. Schön, dass dir immer Hilfsbereitschaft begegnet und du innovative Lösungen findest. Ohne Koffer ist es bestimmt leichter zu fahren, jetzt hast du eben weniger Gewicht. Aber keinen Kocher mehr. Den hätte ich nicht hergeben. Aber man muss Prioritäten setzen.
    Ich habe ein gutes Gefühl, was deine Reise betrifft, alles Gute für dich.

    P.S.: Japan hat einen neuen Kaiser

    LG. Rolf

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    1. Servus Rolf,

      Ja, so eine Reise ist ein Kompromiss in vielerlei Hinsicht. Dann gibt es eben keinen Tee auf dem Kocher sondern nur Wasser :), mit Konserven wird man nicht verhungern :).

      Jetzt wo ich die Koffer nicht mehr habe, fährt es sich viel besser und sicherer.

      Gruß
      Kevin

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  2. Bei dem Gelände Stück wo dir der Koffer abgerissen ist, wird dir die vergrößerte Seitenständer Auflage schon gute Dienste geleistet haben meine ich. Grüße Max.

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  3. Nachdem ich mich selber kenne und weiß, dass ich nach einem anstrengenden Reisetag keinen Reisebericht mehr schreibe und sowas – wenn überhaupt – erst nach der Reise verfasst habe, hatte ich gestaunt, wie Du das die ersten Tage durchgezogen hast. Jetzt scheinst Du aber 2 Gänge zurückgeschaltet zu haben – das verstehe ich. Ich verfolge aber weiterhin Deine Tour, auch über die Karte. Die letzten Bildern zeigen Dich bei Rundtouren mit dem Auto. Ich hoffe mal, dass das keine größeren Schwierigkeiten mit dem Motorrad bedeutet weswegen man sich Sorgen machen muss. Falls doch: Mach‘ das Beste draus ! Wie auch immer: Gute Reise
    Eckart

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    1. Hallo Eckart,

      Danke!

      Ja, meine Freundin ist via Flugzeug angeflogen und wir sind mit dem Auto quer durch Georgien gefahren. Gestern und heute war ich via Moped in Georgien unterwegs. Warte auf mein Reisepass, sollte bald da sein und ich fahre dann weiter.
      Beste Grüße
      Kevin

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  4. Kevin, Reise nach Japan!!!? I am happy I know you. Thank you for sharing the impressions, your writing is so realistic and exciting that I am looking forward to your next posts. Wish you all the luck in the world! Gute Reise!

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  5. Hi Kevin – spannende Reise. Was ist mit deiner Drohne geworden. Hast die auch zurück geschickt?
    Jetzt hast kein Spielzeug mehr 😂😂.
    Bleib tapfer. Ich bleib dran.
    Giuseppe

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